Bitte aktivieren sie Javascript um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.

Abbildung zweier Kinder in schwarz auf braun-beigem Hintergrund

TAPETENSTIFTUNG

 

Tapetenkultur

Auf Gut Ermlitz bei Leipzig wurden in aufwendiger Feinarbeit historische Tapeten restauriert und wieder in den Originalräumen des Gutes aufgebracht. Wir beteiligten uns an dieser Form von Denkmalpflege mit einem finanziellen Beitrag, um ein fast zerstörtes Kulturgut wieder aufleben zu lassen. Die Räume werden zu Events vermietet und bei dieser Gelegenheit sind die Tapeten auch zu besichtigen. Auf der rechten Seite sehen Sie einen Bildausschnitt der Tapeten.

Für die Ausstellung "Goldrausch - die Pracht der Goldledertapeten" im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel beteiligten wir uns am Erwerb eines Goldlederkabinetts aus dem 18. Jahrhundert für das Deutsche Tapetenmuseum - ein Highlight der Ausstellung.

Der Drang, die Wände zu verzieren, ist fast so alt wie die Menschheit. Ob Wandmalereien, Wandbekleidungen aus bemaltem Leder, Samt oder Seide - Tapeten und ihre Vorfahren begleiten die Menschen durch alle Zeiten und Regionen. Auf dem Weg von den ersten Höhlenzeichnungen bis zur Wohnraumgestaltung hat die Tapete eine ganz eigene Kultur entwickelt.

 

Die Wahrheit über Schillers Tod

Es war die Tapeten-Modefarbe des frühen 19. Jahrhunderts: Das "Schweinfurter Grün", vom Schweinfurter Farbenfabrikant Wilhelm Sattler ab 1814 in großem Stil produziert. Bis dahin gebräuchliche Grüntöne waren matt, stumpf, blichen schnell aus. Dagegen hatte die "ungemein schöne grüne Farbe" (Sattler) eine strahlende, beständige Farbintensität, die mit dem Feuer von Smaragden verglichen wurde. Alles mögliche wurde mit diesem Smaragdgrün eingefärbt: Teppiche und Vorhänge, Kleider, künstliche Blumen, Kerzen, ja sogar Kinderspielzeug und Süßigkeiten - und eben Tapeten.

Schweinfurter Grün ist eine Verbindung von Kupfer, Arsen und Essigsäure: Kupferarsenitacetat. Und eben jener Anteil des Giftes Arsen sorgte für den ersten Umweltskandal um ein Wohngift: Es häuften sich Meldungen über Appetitlosigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Reizung der Schleimhäute in grün gestrichenen oder tapezierten Wohnungen. Die Beschwerden ließen sofort nach, wenn Tapete oder Anstrich entfernt worden waren.

Zwar veröffentlichte Sattlers Sohn Carl 1855 eine Gegendarstellung, wonach die Arsenverbindung in der Tapete weder ausdunsten noch im Zimmer umherschweben könne. Doch das Gift in der Tapete regte die Phantasie an. Unwahrscheinlichste Mutmaßungen kamen auf: So soll Napoleon mittels einer grünen Velourstapete in seinem Schlafzimmer auf St. Helena vergiftet worden sein. Goethe soll gar mit einer "giftgrünen" Tapete beim Tode Schillers nachgeholfen haben. Doch all dies gehört ins Reich der Verschwörungstheorien. Schiller ging Goethe bereits 1796 um eine schöne, grüne Tapete an ("Ich wünsche 63 Ellen Tapete von schöner grüner Farbe...welche ich ganz Ihrem Geschmack und Ihrer Farbentheorie überlasse.") Seine Weimarer Wohnung war lange vor der Entwicklung des Schweinfurter Grüns fertig tapeziert. Und das angeblich in Napoleons Haarspitzen nachgewiesene Arsen dürfte bestenfalls Übelkeit verursacht haben, aber keine tödliche Vergiftung. Der einzige bewiesene Fall einer tödlichen Vergiftung durch Schweinfurter Grün ist der eines Malers: Der arme Mann pflegte seine farbgetränkten Pinsel im Mund zu halten...

Dennoch: Die Farbe war keineswegs harmlos, vor ihrer Schädlichkeit wurde seit den 1830er Jahren immer wieder gewarnt. 1879 wurde die Verarbeitung des - im wahrsten Sinne - "Gift"grüns bei Tapeten und anderen Gegenständen gesetzlich untersagt. Es wurde durch das sogenannte Victoriagrün ersetzt. Die Arsenverbindung wurde noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Pestizid und als Algenschutz an Schiffsrümpfen verwendet.

Mit giftigen Farben oder Schadstoffen in Tapeten haben wir heute keine Probleme mehr. Deutsche Tapeten mit dem RAL-Gütezeichen genügen strengen Umweltvorschriften und werden laufend kontrolliert. Sie erfüllen höchste Anforderungen an Umweltschutz und Gesundheit. Auch, wenn sie schön grün sind.

 

Gold, Gold, Gold

Das Goldlederkabinett im Deutschen Tapetenmuseum in Kassel ist ein wahres Schatzkästlein. Angekauft werden konnten die schimmernden Ledertapeten aus der Barockzeit unter anderem mit Mitteln der Tapetenstiftung.

Die Weltreise des Goldleders

Die Araber brachten sie nach Spanien: Die Kunst, prunkvolle Wandbehänge aus geprägten und farbig lackierten Lederhäuten zu fertigen. Als die Mauren Ende des 15. Jahrhunderts durch die katholische "Reconquista" vertrieben worden waren, blieb diese Kunst in Spanien erhalten. Und da die Nachfrage nach dem glänzenden Wandschmuck wuchs, eroberte das "Goldleder" Europa.

Niederländische Händler brachten die Goldledertapete nach Japan. Dort fand man sie sehr exotisch - und nähte Tabaksbeutel daraus. Beim Besuch des Heiligtums in der Provinz Ise war es allerdings nicht erlaubt, Ledergegenstände bei sich zu haben. Kein Problem im Land der Papierkünstler: Man bildete Goldleder aus geöltem Papier nach. Neben Tabaksbeuteln produzierte man daraus auch großformatige Decken.

Das wäre doch eine feine Tapete! dachte sich der Engländer Arthur Stanhope Aldrich, Hauptbuchhalter bei der japanischen Eisenbahn. 1872 wurden auf seinen Vorschlag hin die ersten Tapeten für den Export in den Westen hergestellt. Bereits 1873 waren die Goldleder-Papiertapeten aus Japan auf der Weltausstellung in Wien ein Riesenerfolg und danach bis weit über die Jahrhundertwende hinaus ein japanischer Exportschlager. Als Ledertapete war sie ausgewandert, als japanische Papiertapete nach einer Reise um die Welt nach Europa zurückgekehrt.